Die Luxusunterkunft des deutschen DFB-Teams

Évian-les-Bains ist für sein Bergquellwasser berühmt. Nun hat das DFB-Team am Genfer See sein EM-Quartier bezogen. Bei der Wahl des Hotels hatte auch der Bundestrainer genaue Vorstellungen.

Während der Europameisterschaft haben Schweinsteiger & Co vom Mannschafts-Hotel freien Blick über dem See. Im „Ermitage“ über Évian-les-Bains sind der in Frankreich Lac Léman genannte See und die Berge drumherum als Kulisse inklusive.

Für das DFB-Team, von dem auch die Hotel-Equipe nur als „die Mannschaft“ spricht, hat Thomas Schneider das Haus inmitten voralpiner Ruhe entdeckt. Der Assistent von Bundestrainer Joachim Löw kennt das Hotel von seinen viele Reisen und schlug es Teammanager Oliver Bierhoff vor. Bierhoff hat klare Prioritäten: „Es ist wichtig, eine kleine Oase zu haben. Wir haben das Hotel exklusiv für uns. Es liegt hoch, hat eine schöne Weite und gutes Licht.“ Das sieht auch Trainer Löw so: „Die Mannschaft braucht eine gewisse Ruhe und eine gewisse Abgeschirmtheit.“

Damit können das „Ermitage“ und Évian-les-Bains dienen. Der Ort mit knapp 8000 Einwohnern auf der französischen Seite des Genfer Sees liegt weitab der quirligen Fußballzentren. Vorn der See, hinten die Berge, nach rechts und links kleine Landstraßen zu kaum größeren Orten. Im Westen liegt Genf 45 Kilometer entfernt, was in dieser Gegend einer Autostunde entspricht. Gegenüber ist nach einigen Seekilometern Lausanne zu sehen, auch Richtung Osten kommt schon bald die Grenze zur Schweiz und dann irgendwann Montreux.

Wer in Évian-les-Bains einfach ein Wasser bestellt, riskiert einen fragenden Blick der Bedienung. Hier ist alles irgendwie Evian. Der Ort hat dem bekannten Bergquellwasser seinen Namen gegeben. Die ursprünglich Sainte-Catherine genannte Quelle Cachat entstammt dem benachbarten Bergmassiv. Was im Rest des Landes und weltweit oft teuer bezahlt werden muss, plätschert in Évian-les-Bains rund um die Uhr in einen kleinen Brunnen. Die Einwohner aus der Gegend und Touristen kommen oft im Minutentakt hierher, um Taschen voller leerer Flaschen neu zu füllen.

Von hier sind es zu Fuß 20 sehr steile Minuten hinauf zum „Ermitage“. Auch das DFB-Hotel gehört zum Wasserkonzern. Manager Yannick Le Hec und sein Team sehen sich als Experten auch für sportliche Gäste. Ein großes Golfturnier ist hier angesiedelt, andere internationale Fußballteams waren hier bereits zu Gast. „Wir haben viel Erfahrung mit solchen speziellen Situationen“, sagt Le Hec. 2003 trafen sich hier Staats- und Regierungschefs zum G8-Gipfel.

Eines der diskret behandelten Themen ist Sicherheit. Jenseits des riesigen Parkgeländes des Hotels sind ohnehin französische Polizisten, Gendarmen und Spezialkräfte zuständig. Die 83 Zimmer und Suiten des „Ermitage“, sonst für bis zu 1000 Euro die Nacht zu haben, sind komplett für das DFB-Team geblockt. Zum ebenfalls reservierten Trainingsplatz sind es nur wenige hundert Meter.

Hohe Hecken und die Hanglage erlauben kaum ungewollte Blicke auf das idyllische Gelände mit Pool, Teich, Insektenstöcken oder Pétanque-Bahn. Bei weniger Zeit steht in der Nachbarschaft der Hubschrauber-Landeplatz neben dem per Holzbrücke zu erreichenden Schwesterhaus bereit, dem noch luxuriöseren „Hôtel Royal“.

Im entspannt wirkenden Ambiente des „Ermitage“ stellt sich das eigens für die DFB-Elf zusammengestellte Team auf eine möglichst lange Zeit mit den Fußballern ein. „Wir hoffen bis zum Endspiel“, sagt Manager Le Hec, „dann am liebsten gegen Frankreich – das wünschen wir uns jedenfalls. Es wäre eine tolle Geschichte für alle Beteiligten.“

Über den Autor